Happy World Day for Audiovisual Heritage!

Am 27. Oktober ist Welttag des Audiovisuellen Erbes. Bereits seit dem Jahr 2005 wird dieser Tag auf Initiative des „Co-ordinating Council of Audiovisual Archives Associations“ (CCAAA), der „International Association of Sound and Audiovisual Archives“ (IASA) sowie weiterer Verbände und unter Schirmherrschaft der UNESCO begangen.

Welttage gibt es viele. Zu viele womöglich, denn öffentliche Aufmerksamkeit erlangen längst nicht alle im beabsichtigten Maße. Und manche wirken auf den ersten Blick überdies so skuril, dass man zunächst an einen Scherz glauben möchte. Der Welttoilettentag zum Beispiel, der am 19. November wieder ansteht. Tatsächlich widmet sich dieser einem ernsten und wichtigen Thema: dem Mangel an ausreichend hygienischen Sanitäreinrichtungen in der Welt – und der Erinnerung an die damit einhergehenden Gefahren durch allerlei lebensbedrohliche Krankheiten und Seuchen.

Der World Day for Audiovisual Heritage hat einen ungleich weniger dramatischen, aber doch gleichfalls bedeutsamen Hintergrund. Beabsichtigt ist, mit diesem Welttag weltweite Aufmerksamkeit für die kulturellen Bedeutung und die Herausforderungen der dauerhaften Aufbewahrung beziehungsweise Zugänglichmachung des audiovisuellen Erbes der Menschheit zu schaffen. Konkret geht es um historische Ton- und Bewegtbildaufzeichnungen seit der Erfindung der jeweiligen Medien im 19. Jahrhundert, also um Filme, Ton- und Videoaufnahmen, Radio- und Fernsehprogramme – überwiegend in analoger, zunehmend aber auch in digitaler Form. Ob nun Wachs-Walzen, Schellack- oder moderne Vinylplatten, Zelluloidfilme, Magnetofonbänder, Decelith-Folien, Super8-Schmalfilme, VHS-, Betamax- und Video 2000-Kasetten, DVD, Blu-ray, mp3-, wav- oder avi-Format usw. – der Erhalt der (ur)alten und aktuellen Medien, Formate sowie ihrer Aufzeichnungs-, Speicher- und Wiedergabetechniken, deren dauerhafte Sicherung und nicht zuletzt die Verfügbarmachung der darauf „gespeicherten“ Inhalte ist überaus aufwendig und anspruchsvoll.

Beispielhaft wird dies u.a. am „Schallarchiv am Seminar für Sprechwissenschaft und Phonetik der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg“ deutlich, das seit über 100 Jahren Tondokumente zur gesprochenen Sprache für die Nachwelt bewahrt, aber immer wieder – und damit eben auch die weltweit einzigartigen und unersetzlichen Bestände – bedroht war. Ein Ergebnis lautet: „Verursacht durch schlechte Lagerbedingungen oder auch politische Verhältnisse ist die ursprüngliche Sammlung leider nicht mehr ganz vollständig.“ Noch in jüngster Zeit waren Archiv und Bestände in ihrer Existenz akut bedroht, wie etwa der Deutschlandfunk im April 2014 berichtete. Ähnliche Beispiele finden sich – und dies betrifft nicht nur die aktuellen und ehemaligen Kriegs- und Konfliktgebiete – weltweit viele…

Der World Day for Audiovisual Heritage möchte auf solche Probleme aufmerksam machen und damit idealerweise Abhilfe auf den Weg bringen. Passenderweise steht der Welttag in diesem Jahr unter dem Motto „Archives at Risk: Much more to do„. In der bild- und tongewaltigen, duchmedialisierten Gegenwart mag die Omnipräsenz audiovisueller Medien und die Überfülle entsprechender Angebote den Blick dafür verstellen, dass dies in historischer Perspektive alles andere als selbstverständlich ist. Die audiovisuellen Artefakte der Vergangenheit gehören unzweifelhaft zum kulturellen Erbe der Menschheit.  Zum Erhalt dieses fragilen Erbes bedarf es aber offenbar noch wiederkehrender Versuche der Aufmerksamkeitslenkung und -steigerung durch einen World Day for Audiovisual Heritage.

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