Halleluja! „Genome“ ist da!

Endlich! Das ambitionierte Projekt zur Digitalisierung der Programmankündigungen in der von der British Broadcasting Corporation (BBC) herausgegebenen Programmzeitschrift „Radio Times“ – gewissermaßen der britischen „HörZu“ – hat dieser Tage heimlich, still und leise sein Ziel erreicht. Am 15. Oktober 2014 meldete die BBC in ihrem „About the BBC Blog“ Vollzug und stellte eine Beta-Version der für diesen Zweck neu geschaffenen Datenbank „Genome“ der interessierten Öffentlichkeit vor.

In den letzten Jahren wurden die in der Radio Times abgedruckten Ankündigungen der BBC-Rundfunkprogramme der Jahre 1923 bis 2009 eingelesen. Die Daten sind fortan über „Genome“ (der Name spricht Bände!) zugänglich und können mithilfe von Suchfunktionen recherchiert werden. Dem programmhistorisch interessierten Historiker muss diese Nachricht einen entzückten, begeisterten und irgendwie auch erleichterten Freudenlaut entlocken! Mir entfleuchte spontan ein herzhaftes „Halleluja!“ (man möge mir die inhärente Profanisierung nachsehen). Denn bislang blieb den an historischen Programmstrukturen und -inhalten interessierten Rundfunkforschern eigentlich nichts anderes übrig, als sich – zum Beispiel in der British Library – eigenhändig und eigenäugig durch die mehrere Regalmeter umfassenden Zeitschriftenbände zu arbeiten… Eine körperlich wie geistig gleichermaßen sehr fordernde Tätigkeit, die nicht nur Sitzfleisch, sondern aufgrund geistiger Daueranspannung auch ein stetes Ringen mit der schwindenden Konzentrationsfähigkeit erfordert. Nun ist es also vollbracht, die Segnungen der digital humanities sind in der britischen Rundfunkgeschichte angelangt! (Ein starkes Signal auch für die deutschen Hoffnungen auf eine ähnliche Initiative zur Digitalisierung der Programmankündigungen in der bei Springer erscheinenden „HörZu“! – vorgeschlagen hat dies u.a. der Historiker Frank Bösch).

Bei aller Freude sollte man die Leistungsgrenzen von „Genome“ nicht außer Acht lassen. So wurden die Zeitschriftenausgaben nicht vollständig digitalisiert, sondern „nur“ die Rohdaten der darin abgedruckten Programmankündigungen und auch nur die der BBC-Programme. Zugrunde lag zudem die „London/South East England“-Ausgabe, so dass viele Sendungen in den regionalen Programmfenstern zunächst nicht erfasst worden sind. Und natürlich kann vom in der Radio Times angekündigten Programm nicht zwangsläufig auf die tatsächlich ausgestrahlten Sendungen geschlossen werden, weil Programmänderungen nicht berücksichtigt werden konnten (allerdings sind die Nutzer eingeladen, entsprechende Hinweise zu geben) . Dies vor Augen handelt es sich um ein gr0ßartiges Angebot für die historische Rundfunkforschung. In einem Wort: Halleluja!

Hier geht’s zur Datenbank: Genome.

 

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